Rückblick Zukunftswerkstatt 2017

Berichte Schule Schule

Die Rendsburger Waldorfschule entwickelt sich weiter

Endlich die schweren Zeiten hinter sich lassen und den Blick in die Zukunft richten. Neue Impulse für Pädagogik und Organisation sammeln – dies waren die Ziele des Schulforums 2017, das am 25. März in der Waldorfschule stattfand.

Eltern und Lehrer, Hausmeister, Geschäftsführung und Vorstand tagten einen Tag lang und erarbeiteten gemeinsam und auf Augenhöhe Zukunftsbilder, die sowohl die pädagogische Arbeit, als auch die organisatorische Hülle fit machen sollen für die nächsten Jahre.

Zu Beginn berichteten der Vorstand und die Schulleitung von der bisherigen Arbeit und gaben einen kurzen Ausblick auf die Frage, wie es weitergeht. Viele Themen wurden in den vergangenen zwei Jahren bearbeitet. Manche lösten sich schnell, andere sind teilweise noch in gerichtlicher Bearbeitung. Deutlich wurde, dass die Ausmaße der zu bearbeitenden Themen umfangreicher sind und noch nicht alle Rahmenbedingungen zufriedenstellend bzw. vorhanden sind. Daher wird die Interims Vorstandstätigkeit sowie die Schulleitung und die Geschäftsleitung für ca. 1,5 bis 2 Jahre fortgeführt. Ab der kommenden Mitgliederversammlung soll es eine Satzungsänderung geben, damit weitere Menschen aus der Schulgemeinschaft in den Vorstand kooptiert werden können und so mit genügend Zeit in alle Belange des Vereins, der immerhin die Größe eines Mittelständischen Betriebes hat, eingewiesen werden können

In der dann anschließenden Zukunftswerkstatt haben sich die Teilnehmer mit drei Themenkomplexen befasst:

Werkstatt Lernort

Wie wird die Waldorfschule Rendsburg zu einem Lernort für Jung und Alt?

Können z.B. neue Wege des Lernens durch fächer- oder klassenübergreifende Lernangebote beschritten werden? Wie kann der Praxisbezug noch verstärkt werden z.B. durch Abkopplung von der üblichen Unterrichtszeit?

Wie kann projektorientiertes Lernen als Teil der Schülerbiographie gestärkt werden, z.B. statt einem drei-wöchigen Praktikum in Unternehmen regelmäßige Projektarbeit an festen Tagen in der Woche, verteilt über das ganze Jahr?

Ein weiteres Thema war die individuelle Förderung und Inklusion. Wie lernen Kinder und welche speziellen Anforderungen brauchen sie zum Lernen? Wie können wir unterschiedliche Fähigkeitsniveaus aufgreifen und fördern? Welche Fördernotwendigkeiten und -möglichkeiten bestehen, die nicht auf einen bestimmten Lernstoff bezogen sind? Z.B. im Bereich der Sinnesentwicklung oder im sozialen Lernen.

In einer weiteren Arbeitsgruppe ging es um das Thema Grundlagen der Waldorfpädagogik. Damit verbunden war die Frage wie die Waldorfschule zu einem kulturellen Zentrum werden kann.

Das Thema Kooperationen behandelte eine weitere Arbeitsgruppe. Hier wurde nach Ideen gesucht, in Kooperation mit anderen Schulen oder Berufsschulen zu treten, z.B. im Bereich Abitur oder Dualem Ausbildungsgang.

Werkstatt Physische Hülle

Wie sind die Räumlichkeiten für eine zukünftige Schule geschaffen? Wo bedarf es eines neuen Raumkonzeptes, um die pädagogischen Gesichtspunkte umzusetzen, aber auch einen schönen, hellen und empfangenden Arbeits- und Lernort zu schaffen?

In einem Rundgang vom Keller bis unters Dach in Schule, Turnhalle und Festsaal haben wir uns die Lichtverhältnisse, die Gerüche, den Zustand und die räumliche Situation vergegenwärtigt. In zu vielen Bereichen ist es zu dunkel, Licht fehlt überall, die Kellerräume sind teils nicht mehr für Schüler und Mitarbeitende nutzbar, da sich Feuchtigkeit und blühende Wände breit machen. Es gibt keinen wirklichen Unterstufenbereich in dem Schutz, Licht und Ruhe ist. Der Mittelstufenbereich ist ebenfalls zerrissen. Werk- und Handarbeitsräume finden sich an vielen räumlich entfernten Stellen des Hauses. Arbeitsräume für Lehrer und Mitarbeitende sind meist zu klein, zu verstreut oder ohne die heute nötige Infrastruktur (Wasser, Licht, PC, Internet, Telefon). Meist alle Fußböden und Wände im Schulbereich, aber auch Festsaal, müssen dringend renoviert werden. Vorhänge und Verdunkelungsanlagen in Schul- und Festsaal benötigen Ersatz. Schaut man unter dem Dach blinzelnd durch die Dachpfannen in die Sonne, so wird einem deutlich, wie viel Geld allein hier für die Umsetzung von Energiesparverordnungen und neuer Bedachung benötigt wird, nicht zu vergessen die Instandsetzung an Stellen, wo der Regen seinen Weg in den Keller sucht. Aber auch das Bitumendach des Festsaals ist weit über das Haltbarkeitsdatum genutzt. Der Wartestubenbereich braucht mehr Platz, weniger Zäune, mehr Grün und das eine und andere sinnvolle Spielgerät. Dafür wollen Fahrräder in den Eingangsbereich verschoben werden. Ach, und eine kleine Mensa mit Küche im heutigen Pavillon mit großen Türen Richtung Schulhof und einem offenen Schulgarten- das würde einen guten Ersatz für den Schulhof hergeben, denn dort sind mit Bauantrag zum Festsaal rund 45 Parkplätze festgeschrieben und für immer gesetzt. Aber dazu müsste die offene Ganztagsschule so richtig brummen, damit es Menschen gibt die Mittagessen brauchen...

Manch einer fragte sich, ob es nicht an der Zeit ist, eine grüne, frische Wiese für einen Neubau zu suchen. Viel Arbeit wartet und noch mehr Geld braucht es! Ideen gibt es nun.

Werkstatt Zukunftsfähigkeit

Diese Gruppe hatte zum Ziel, Zukunftsbilder zu beschreiben. Welche Kultur, Arbeitsweisen und Handwerkszeuge brauchen wir gemeinsam nach innen und nach außen, damit die Waldorfschule Rendsburg zum Stolz aller wird, nicht nur in der Elternschaft, bei den Schülern und den Mitarbeitern, sondern auch in der Region? Hier wurden sehr viele Ideen zusammen getragen, aus denen aber auch konkrete Lösungsansätze entwickelt wurden.

Schwerpunkt bei der Entwicklung dieser Maßnahmen waren die Themen Öffentlichkeitsarbeit sowie die Gesundheitsprävention. Aber auch Themen wie Transparenz/Offenheit, Rahmenbedingungen und Strukturen  waren wichtige Punkte, die in der Zukunft ihren festen Platz finden sollen. Die Öffnung für neue Impulse in der Pädagogik und die Öffnung für die Zusammenarbeit mit anderen Schulen und Institutionen außerhalb der Waldorfschule wurde auch in dieser Gruppe als ein wichtiger Faktor der Zukunftsfähigkeit unserer Schule erachtet.

Im anschließenden Plenum präsentierten alle Gruppen ihre Arbeit und Erlebnisse. Eine Aufbruchstimmung war erlebbar. Der Wunsch an die Leitung besteht, die Arbeit fortzuführen, regelmäßig solch ein Schulforum zu veranstalten und nun mit der Arbeit gemeinsam zu beginnen.

Die Waldorfschule Rendsburg ist die erste Waldorfschule in Schleswig-Holstein und mit fast 70 Jahren - mit Ausnahme des Gebäudes - keinesfalls in die Jahre gekommen, sondern auf dem Weg, selbstbewusst und aktueller denn je das Bildungsangebot in der Stadt Rendsburg zu ergänzen und zu bereichern.

In Zeiten, in denen G8 und zu viel Druck schon in den Grundschulen den Schülern zu schaffen machen, zeigt die Waldorfschule echte Alternativen auf, mit dem Mut, den Kindern genug Zeit für eine gesunde Entwicklung zu geben sowie den vielen zusätzlichen handwerklichen und musischen Fähigkeiten, die vermittelt werden.

Dies alles dürfen und sollten wir zukünftig auch wieder zeigen und stolz darauf sein.

Sibylle Kunert-Borowiak und Benjamin Kohlhase