Handwerk und Kunst

Musik

Musikunterricht wird von der ersten bis zur 12. Klasse erteilt - in der Unter- und Mittelstufe sowohl in den Musikstunden als auch im Haupt- und Fremdsprachenunterricht. In der Mittelstufe bilden sich in einigen Klassen Klassenorchester. Von der 5. Klasse an gibt es neben anderen Ensembles einen Chor und das Mittelstufenorchester, die später vom Chor und Orchester der Oberstufe abgelöst werden.

Die Bedeutung der Musik für die gesunde Entwicklung von Kindern und Jugendlichen fand in jüngster Zeit eine eindrucksvolle Bestätigung durch den Frankfurter Musikpädagogen Prof. Dr. Hans Günther Bastian, der in Langzeituntersuchungen belegen konnte, dass das tätig-kreative Musizieren nicht nur die musikalischen Fähigkeiten erweitert, sondern darüber hinaus zu einer signifikanten Steigerung der sozialen Kompetenz, der Lern- und Leistungsmotivation, der Intelligenz, der Kreativität, der seelischen Ausgeglichenheit und der Problemlösungsbereitschaft führt.

Inhaltlich führt der Weg von der Quinten-Stimmung in den ersten beiden Klassen über Kanons und die Mehrstimmigkeit zu neuen Ufern in der Mittelstufe, indem andere Kulturen, interessante Rhythmen, merkwürdige Instrumente und die Biographien bedeutender Musiker kennen gelernt werden. In der Oberstufe durchwandern die Jugendlichen die großen Musikepochen der europäischen Kultur und gelangen schließlich zur Musik des 20./21. Jahrhunderts.

Eurythmie

"Alles Leben ist Bewegung."

Die visionäre Kraft des Entwurfs der Waldorfpädagogik zeigt sich evident darin, welch ungeheures Gewicht schon bei ihrer Begründung auf die kindliche Bewegungsentwicklung gelegt wurde. Kaum eine Fragestellung der Erziehung erscheint in unseren heutigen Lebensbedingungen und Kulturzusammenhängen aktueller als die nach dem Einfluss, den die kindliche Bewegungsentwicklung auf die kognitiv-denkerischen, emotionalen und gestalterisch-willensmäßigen Fähigkeiten hat. Wie werden die Sinne, deren Wahrnehmungsfähigkeit und dadurch ein soziales Vermögen ausgebildet?

Der Bedeutung dieser Frage entsprechend wird die Bewegungskunst der Eurythmie an unserer Schule mit zwei Wochenstunden unterrichtet. Das Spiel der kleinen Kinder ist uns ein Lehrmeister für die Freude an der bedeutsamen, schönen Bewegung. Jubel, Trauer, Spannung und Kraft, - alles offenbaren die jüngeren Schulkinder in ihren Bewegungen: Sie schlüpfen in Gestalten, in Tiere, in Wind, Welle, Luft und Licht und sprechen sich darin aus. Die Sprache erfüllt sich in ihren Gebärden. Ein ausgleichender Atem entsteht, wenn das Kind sich in seinen Bewegungen mit den Dingen der Welt verbindet. Über allem stehen die große Lebensfreude und der Tatendrang der Kindheit. Ebenso bedeutsam wie die Sprache bewegt die Musik die kindliche Gestalt mit Rhythmen, Melodien und Harmonien. Spannungen lösen sich in Übergänge auf, Streckung und Exaktheit geben Stärke und Sicherheit, Zusammenklänge vieler Stimmen lassen harmonisches Miteinander erleben.

Der Mensch, das Menschliche steht hierbei immer im Mittelpunkt:
Wie stehe ich da? Wie bewege ich mich? Was drücke ich darin aus? Wie nehme ich den anderen dabei wahr? Was bewege ich - in der Welt? Bis zum Erleben dieser Fragen kann der Unterricht in der Mittel- und Oberstufe gehen. Das ästhetisch-künstlerische Element der Eurythmie kann sich in der Oberstufe realisieren. Klassische und zeitgenössische Werke der Sprache und Musik werden erarbeitet und in Bewegung umgesetzt. Hier schließt die Eurythmie eine Lücke, die in der Pädagogik oft offen bleibt, wenn die bildenden Künste und darstellenden Künste mit Theater, Chor und Orchester unterrichtet werden, aber nicht die Tanzkunst.

Werkunterricht

Der Werkunterricht beginnt mit der Arbeit am eigenen Werkzeug für das Schnitzen, aber auch für den Gartenbau. Dass einfach nicht mit leicht gleichzusetzen ist, merken die Schülerinnen und Schüler beim Schnitzen von Schalen, Tieren, Löffeln oder anderen Formen, die sie dem zu bearbeitenden Holz entlocken. Später geht es über zu beweglichen Spielzeugen, die mit wachsendem Geschick immer öfter selbst entworfen und gestaltet werden.

Mit dem Eintritt in die Oberstufe kommt mit dem Metall ein neues Material hinzu, das beim Schmieden oder Kupfertreiben andere Geschicklichkeiten schult und neue Kenntnisse verlangt. Bei der Holzbearbeitung treten das passgenaue Arbeiten und die Funktionalität der Werkstücke, Gebrauchsmöbel oder Spiele zunehmend an die Stelle des phantasievollen Umgangs mit dem lebendigen Material.

Im 11. Schuljahr taucht nach einer längeren Pause auch der Ton wieder auf. Mit Hilfe unterschiedlicher keramischer und künstlerischer Techniken werden Tongefäße hergestellt. Im 12. Schuljahr folgen die Gestaltung der menschlichen Figur und des Kopfes und mit dem Steinhauen eine weitere grundlegende Erfahrung mit einem neuen Material. Das Malen und Zeichnen durchziehen die gesamte Schulzeit.

Handarbeit

Gemeinsam mit den musischen und handwerklichen Fächern bildet die Handarbeit eine wichtige Säule des Waldorfschulunterrichtes. In der 1. Klasse beginnen die Kinder damit, frisch geschorene Wolle zu betasten, zu beriechen und zu befühlen, bevor sie die Wolle waschen, trocknen, manchmal färben, zupfen und zu Fädchen drehen. Während die Kinder das Stricken mit Holzstricknadeln üben, übt sich ihre Seele in Geschmeidigkeit und Durchhaltewillen. Ihre natürliche Freude an der Schönheit hilft den Kindern beim Stricken, Häkeln, Nähen und Sticken - Künsten, mit denen sie im Laufe der ersten Schuljahre Flötenbeutel, Umhängetaschen, Stofftiere und Puppen, Strümpfe, Mützen und Handschuhe herstellen.

In der 8. Klasse lernen die Schülerinnen und Schüler, die Nähmaschine zu gebrauchen. Manchmal können sie bei Erstellung der Kostüme für ihr großes Achtklassspiel helfen. Im 9. Schuljahr schneidern sie ein selbst entworfenes Kleidungsstück - eine anspruchsvolle Herausforderung, die zugleich ein sichtbares Zeugnis der erworbenen Könnerschaft bedeutet. In der 10. Klasse folgen mit dem Spinnen und Weben zwei weitere Künste, die sowohl handwerkliches Können als auch vorausschauendes Denken verlangen.

Das Buchbinden und die Kartonage in 11. und 12. Klasse runden die Materialkunde ab. Nach zwölf Jahren Handarbeit haben die Schülerinnen und Schüler gelernt, die Fäden selbst in die Hand zu nehmen.