Warum eine "Freie Waldorfschule"?

1919 wollte der Unternehmer Emil Molt mit Rudolf Steiner, neben den Aspekten der Waldorfpädagogik, ein von Staat und Wirtschaftsleben unabhängiges Bildungs- und Schulwesen gründen. So sollten Rahmenbedingungen geschaffen werden, die einen Entwicklungsfreiraum für eine freie und unabhängige Bildung eröffnen.

Waldorfschulen werden daher bis heute in freier Trägerschaft betrieben und sind damit ein gutes Stück frei von staatlichen und wirtschaftlichen Einflüssen.

Was will und wie funktioniert diese "Freiheit in Selbstverwaltung"?

Ein Quellenverweis geht dieser Frage auf den Grund.

Rudolf Steiner: Was ist eine "freie" Schule. Herausgegeben von Johannes Mosmann.

Aus dem Vorwort: "Der Selbstverwaltungsbegriff Steiners wurde, wenn überhaupt, lange Zeit vor allem durch die Brille der Sekundarliteratur gelesen. Das führte zu Missverständnissen, die einerseits mit Ursache der Krisen sind, die viele Waldorfschulen im Zusammenhang mit dem Thema Selbstverwaltung durchlebten, andererseits das Potential des Steinerschen Ideals untergruben. Tatsächlich glauben heute nicht wenige Waldorfpädagogen, Steiner habe die Schule als einen dreigegliederten Organismus betrachtet; Selbstverwaltung bedeute, dass sich der Lehrer nebenher noch im Schulverein engagiere, um die Finanzierung kümmere, oder Ähnliches. Mit Selbstverwaltung in dem Sinn, wie sie Steiner beschrieb, hat all das jedoch allenfalls am Rande zu tun ..."